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Grundwissen: Pools aus Edelstahl

Edelstahl ist ohne Frage je nach Zusammensetzung ein hochwertiger Werkstoff. Doch die Besonderheiten von Edelstahl zwingen dazu, sowohl an die Planung und Ausführung als auch an den Betrieb besondere Anforderungen zu stellen.

Bei der Auswahl von verschiedenen Schwimmbeckenkonstruktionen spielen bei der Entscheidung verschiedene Kriterien eine Rolle. Neben optischen Gesichtspunkten zählen dazu die Kosten und die Bauzeit. Hinzu kommt auch die Tatsache, ob die gewünschte Schwimmbeckenkonstruktion überhaupt an die vorgesehene Stelle eingebracht oder gebaut werden kann.

Pool_aus_Edelstahl

Viele Kunden verbinden mit dem Begriff Edelstahl auch bei einem Schwimmbecken einen hochwertigen und beständigen, aber auch optisch ansprechenden Werkstoff. Diese Eindrücke werden durch viele Verwendungen von Edelstahl im Bereich Haus und Haushalt stark geprägt.

Daher ist auch vielen Menschen bekannt, dass sich dieses Material nach Kontakt mit Wasser oder anderen Einflüssen an der Oberfläche verändern kann. Durch Einwirkung von Wasser oder auch durch Ablagerungen von Schmutzstoffen zeigen sich – sofern keine Reinigung erfolgt – Ansätze von Korrosionen oder farbliche Veränderungen.

Die Zusammensetzungen

Edelstahl ist ein übergeordneter Begriff für eine Vielzahl von Materialzusammensetzungen. Umgangssprachlich wird auch häufig von einem VA-Stahl – insbesondere von einem V2A oder V4A – gesprochen. Diese Bezeichnungen sind bereits seit langer Zeit überholt und geben nur ungenau wieder, welche Qualität ein Edelstahl tatsächlich hat.

Edelstähle werden auch häufig als nichtrostende Stähle bezeichnet. Hierbei handelt es sich jedoch bei nicht fachgerechter Betrachtung und Anwendung um einen Begriff, der Risiken beinhaltet. Dieser Begriff sollte stets bei Beratung und in Gesprächen so verwendet werden, dass nicht ein Eindruck vermittelt wird, dass Edelstahl nicht oder zu keiner Zeit „rosten“ kann.

Edelstahlpool

Edelstähle bestehen üblicherweise aus mehreren Legierungsbestandteilen wie Eisen-Chrom-Nickel. Mit Zusätzen von Molybdän und/oder Titan können die Eigenschaften positiv verändert werden. Durch die Variation der Konzentrationen an Legierungsbestandteilen sowie weiterer Zusätze werden die Eigenschaften hinsichtlich der Korrosionsneigung, Schweißneigung und Verformbarkeit verändert oder angepasst. Wie so oft, ist es auch bei Edelstählen der Fall, dass durch positive Änderung einer Eigenschaft dies nachteilige Folgen für eine andere Eigenschaft mit sich bringt.

Um bei dieser Vielzahl von Variationen und Eignungen die Übersicht nicht zu verlieren, haben sich für den Einsatz im Bereich von Schwimmbecken, aber auch Zubehörteile (beispielsweise Attraktionen, Rutschenanlagen, Sprunganlagen, Haltestangen, Treppen und Leitern) einige wenige Edelstahlsorten etabliert.

Generell ist auszuführen, dass aufgrund der Vielzahl von Edelstählen und den damit verbundenen Anwendungsmöglichkeiten besonders bei konstruktiv tragenden Teilen (beispielsweise Beckenkörper, Sprunganlagen) oder anderen mechanisch beanspruchten Teilen (beispielsweise Haltestangen und Treppen) eine bauaufsichtliche Zulassung des Werkstoffes gegeben sein muss.

Hierzu gibt die Informationsstelle Edelstahl Rostfrei entsprechende weitergehende Informationen sowie eine Übersicht über die möglichen einsetzbaren Edelstahlsorten. Darunter werden beispielsweise auch die häufig verwendeten Edelstahlsorten 1.4404 und 1.4571 aufgeführt.

Edelstahl und Salz

Bei der Auswahl der geeigneten Edelstahlsorten sind verschiedene Einflüsse zu berücksichtigen. Dazu zählen insbesondere die Wasserbeschaffenheit sowie die Konstruktion und Verarbeitung. Das Schwimmbeckenwasser unterliegt je nach Betrieb gewissen Schwankungen.

Wichtige Einflussgrößen sind hierbei der Salzgehalt, pH-Wert und Temperatur. Insbesondere durch Salze – überwiegende Chloride – können an der Edelstahloberfläche Korrosionen ausgelöst werden. Der Salzgehalt ist eine wesentliche Größe bei der Auswahl der Edelstahlsorte.

Schwimmhalle_mit_Edelstahlpool

Bei der Verwendung von Edelstahl in Schwimmbeckenwasser mit absichtlich erhöhten Salzgehalten (beispielsweise Meerwasser oder Schwimmbecken, die mit einer Elektrolyse im salzhaltigen Filtrat betrieben werden) sind besondere Anforderungen zu stellen. Durch diese hohen bis sehr hohen Salzgehalte ist es empfehlenswert, die Anwendungsmöglichkeit im Einzelnen abzuklären.

Die Konstruktion mit Edelstahl hat so zu erfolgen, dass konstruktionsbedingte Einflüsse auf Korrosion und mechanische Beständigkeit vermieden werden. Bereiche, in denen beispielsweise geringe oder keine Durchströmungen erfolgen, neigen eher zur Korrosion.

Dies ist darin begründet, dass sich durch eine geringere Sauerstoffzufuhr die Ausbildung einer passiven Schutzschicht verzögert oder diese ausbleibt. In strömungsarmen Zonen ist zudem die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich Schmutz- und Belastungsstoffe an- oder ablagern und damit zu einer lokalen Korrosion führen können (Einfluss der Materialunterschiede).

Die Herstellung von Schwimmbecken aus Edelstahl sowie Edelstahleinbauteile und angebrachtes Zubehör muss sorgfältig ausgeführt werden. Dazu zählen beispielsweise die Verwendung von geeignetem Werkzeug, Schweißverfahren und Schweißwerkstoffe sowie die fachgerechte Nachbehandlung.

Aber auch der Untergrund sowie die umgebenden Bereiche können nicht wahllos ausgeführt werden. So sind bei einer Verfüllung hinter dem Becken die Materialien so auszuwählen, dass diese im Kontakt mit dem Edelstahl keine Korrosionen auslösen.

Hierbei bieten sich sinnvollerweise auch eine Trennschicht beispielsweise aus einer geeigneten Folie oder Dämmplatten an. Es ist deshalb wichtig, dass die Planung in Bezug auf die Beckenkonstruktion, Aufstellung oder Einbringung stets nach den zu erwartenden Gegebenheiten zu erfolgen hat.

Wie schon ausgeführt, ist in Bezug auf den Kontakt mit dem Schwimmbeckenwasser der Salzgehalt von großer Bedeutung. Salze gelangen sowohl über das Füllwasser, aber insbesondere durch die Zugabe von Wasserpflegemittel (beispielsweise Desinfektion auf der Basis von Chlor) in das Schwimmbeckenwasser.

Es ist deshalb bei dem Betrieb darauf zu achten, dass die Salzkonzentration – insbesondere Chloride – regelmäßig überprüft wird, um dann gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen (z. B. Füllwasserzusatz erhöhen, Überprüfung der Dosierung von Wasserpflegemittel). Schwimmbecken und Schwimmbeckenzubehör aus Edelstahl müssen regelmäßig gepflegt werden.

Die Reinigung

Da Edelstahloberflächen empfindlich auf verschiedene chemische Substanzen reagieren, ist die Reinigung nur mit geeigneten Pflegemitteln durchzuführen. Das einfache Abwaschen mittels Lappen und Beckenwasser von Haltestangen oder anderen Teilen, die über dem Wasserspiegel liegen, ist falsch. Hierdurch werden die im Wasser enthaltenen Salze lediglich verteilt und bleiben nach dem Verdunsten des Wassers auf der Edelstahloberfläche zurück. Die Folge ist die Bildung von Korrosion.

Die Reinigung erfolgt üblicherweise mit Trinkwasser sowie Reinigungsmittel ohne Zusätze, die den Edelstahl chemisch angreifen. Es ist wichtig, dass Edelstahlteile, die über dem Wasser liegen, auf der Unterseite gereinigt werden. Es sind zugegeben Stellen, die nicht immer gut zugänglich sind. Doch gerade hier zeigen sich sehr häufig starke Korrosionen. Dies sind beispielsweise Treppenstufen, die über dem Wasserspiegel liegen, oder auch Sprunganlagen oder Startblöcke auf der Unterseite.

Edelstahlbecken

Edelstahl hat bei der Verwendung als Beckenwerkstoff den Vorteil, dass durch die Möglichkeit von Biegen und Schweißen einzelner Segmente unterschiedliche Beckenformen herstellbar sind. Dabei werden zwei wesentliche Beckenkonstruktionen unterschieden: Schwimmbecken als selbsttragende Konstruktion oder Schwimmbecken aus Edelstahl, bei der eine zusätzliche Konstruktion wie beispielsweise eine Betonwand die tragende, kraftaufnehmende Funktion übernimmt.

In diesem Fall zeigen sich aufgrund der geringen Stärke von Edelstahlplatten die Vorteile darin, dass sich bei Sanierungen in vorhandenen Beckenkons­truktionen damit nachträglich ein neues Becken (Becken im Becken) herstellen lässt, ohne dass die Beckenbreite und Beckenlänge großen Kürzungen unterworfen sind. Zu beachten ist hierbei, dass beispielsweise durch Abnehmen von Teilen des vorhandenen Beckenkopfes die Überlaufrinne ausreichend Platz findet und die Rohrleitungsanschlüsse fachgerecht angebunden werden können.

Besonders bei Außenbecken hat sich der Einsatz von Edelstahl sehr gut bewährt, da sich beispielsweise bei Frost­einwirkung dieses Material als relativ unempfindlich zeigt, sodass Schäden und damit verbunden Reparaturmaßnahmen im Frühjahr vor einer erneuten Inbetriebnahme nicht zu erwarten sind.

Die Optik

Neben der guten Beständigkeit ist für viele Betreiber und Kunden von Edelstahlbecken auch der optische und haptische Eindruck maßgebend. Edelstahlbecken gelten als Synonym nicht nur für einen hochwertigen, edlen Werkstoff, sondern werden auch häufig als „hygienisch“ betrachtet.

Es ist in der Tat so, dass Edelstahlbecken, die fachgerecht ausgeführt wurden, überwiegend glatte Oberflächen ohne Unterbrechungen oder Spalten und Fugen aufweisen. Die Wahrscheinlichkeit der Anhaftung von Schmutz- und Belastungsstoffen an Beckenwänden und Beckenboden ist sehr gering.

Einen großen Einfluss auf die Beständigkeit des Edelstahls haben die fachgerechte Kons­truktion und Verarbeitung sowie eine regelmäßige Pflege. Nach VDE 0100 Teil 702 sind metallische Teile der Beckenkonstruktion – und damit auch Edelstahlbecken – an einen Schutzpotenzialausgleich anzuschließen.

Auch wenn nicht offensichtlich ist, dass ein Potenzial eingetragen wird – beispielsweise bei Verwendung von Kunststoffrohrleitungen zu/von elektrischen Betriebsmitteln (beispielsweise Pumpen), kann immer noch das Erdpotenzial so hoch sein, dass ein Potenzial eingetragen wird und damit eine Gefährdung darstellen kann.

Edelstahlbecken sind ein besonderer Hingucker und bieten in Bezug auf Formen und Ausstattungen eine Vielzahl von Möglichkeiten. Durch die Eigenschaften des Werkstoffes Edelstahl sind bei der Auswahl und Ausführung die Besonderheiten zu berücksichtigen sowie in Bezug auf den Betrieb die Kunden oder Betreiber auf die erforderlichen Maßnahmen zur Reinigung hinzuweisen, sodass ein dauerhaftes Badevergnügen gegeben ist.

Dieser Artikel ist in Ausgabe 56 des pool Magazins erschienen.

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