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Rebensaft auf Rezept

Seit der Frühzeit der Antike sind Menschen fasziniert vom Wein – ein gesunder Genuß

Für Hildegard von Bingen war Wein kein Genussmittel. „Wein ist Medizin“, soll sie gesagt haben, „Bier ist ein Getränk, und Wasser ist zum Waschen …“

Nur wirklich gesunden Menschen solle man raten, Wasser zu trinken. Dennoch empfahl sie, starken Wein mit Wasser zu verdünnen. Die Äbtissin, Prophetin und Naturheilerin, die 1179 starb, wurde 81 Jahre alt.

Die bakterienabtötende Wirkung von Wein vermutete man bereits in der Antike. Sie bestätigte sich immer wieder, besonders bei Epidemien wie zum Beispiel der Cholera.

1892 gelang der Nachweis, dass verseuchtes Wasser zumeist ohne Gefahr getrunken werden konnte, wenn man ein Drittel Wein hinzufügte.

Auch war längst bekannt, dass Wein einen hohen Nährwert besitzt, da er dem Organismus essentielle und leicht assimilierbare Substanzen liefert.

Das Wissen um die gesundheitsfördernden und heilenden Wirkungen von Wein ist fast so alt wie der Wein selbst.

„Der Wein ist unter den Getränken das nützlichste, unter den Arzneien die schmackhafteste und unter den Nahrungsmitteln das angenehmste“, hinterließ der griechische Philosoph Plutarch um 100 n. Chr. der Nachwelt.

65 Pfennig pro Flasche

Seit der Frühzeit der Antike kommt dem Wein eine unvergleichliche Faszination zu, und in allen Epochen sowie fast allen Kulturen der Menschheitsgeschichte erlangte er seine besondere Stellung als „Medizin“.

Ende des 19. Jahrhunderts entschloss sich die Ortskrankenkasse Heidelberg „nach Rücksprache mit unseren Herren Kassenärzten, an unsere erkrankten Kassenmitglieder nach ärztlicher Verordnung Weiß- oder Rotwein verabfolgen zu lassen und zu diesem Behufe zwei Abgabestellen zu errichten, welche gegen Abgabe einer Überweisung des Kassenarztes die Verabreichung des Weines gegen ein Entgelt von zehn Pfennig pro Flasche besorgen.“

Der Wein werde von der Firma „Überle und Ritzhaupt“ franco geliefert; der Preis desselben stelle sich pro Flasche ohne Glas: für Rotwein „San Michele“ auf 65 Pfennig, für Weißwein „Markgräfler Kastelberger“ 86 Pfennig. Welche Menge Wein die Kassenärzte verordneten, ist nicht überliefert.

Heute raten Experten, täglich moderat Wein zu trinken. Die empfohlene Menge laut Doris Goedecker vom „Forum Wein und Gesundheit“ beträgt bis zu 0,3 Liter für Frauen und bis zu 0,4 Liter für Männer pro Tag.

Schon in den 50-er Jahren, erläutert die Diplom-Ökotrophologin, habe die so genannte „Sieben-Länder-Studie“ gezeigt, dass die Bewohner der Mittelmeerländer im Gegensatz zu denen in Nordeuropa und den USA eine wesentlich geringere Neigung zu Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie eine höhere Lebenserwartung aufwiesen.

In den 90-er Jahren erregte die Studie der französischen Ärzte Serge Renaud und Michel de Lorgeril, besser bekannt als „French Paradox“, großes Aufsehen.

Demnach erlitten ihre Landsleute nicht trotz, sondern wegen ihres regelmäßigen Weinkonsums seltener Herzinfarkte als Deutsche, Briten oder Amerikaner – obwohl sie sich fettreicher und üppiger ernähren.

„Fakt ist“, betont Doris Goedecker: „Franzosen essen gerne gut und fett, scheren sich aber keinen Deut um Diät – und trotzdem bekommen sie weniger Herzinfarkte. In Ländern, in den man gerne gut isst und trinkt, aber immer Wein zum Essen zu sich nimmt, ist die Sterblichkeitsrate durch Herz-Kreislauf­erkrankungen am niedrigsten.“

Die Substanz Resveratrol im Rotwein hemmt das Zusammenkleben der Blutplättchen, was Ablagerungen verhindern und somit die Adern schützen kann. Das erklärt das französische Paradox von hohem Fettverzehr und dennoch niedrigem Infarktrisiko.

Professor Serge Renaud untersuchte in Frankreich 34.000 Männer im Alter von 40 bis 60 Jahren. Die moderaten Weintrinker (zwei bis drei Gläser am Tag) hatten eine niedrigere Sterblichkeit als die Gruppe der Abstinenzler und starken Trinker.

Bei der ersten Gruppe wurden außerdem weniger Krebserkrankungen festgestellt. Mit zunehmendem Konsum jedoch, warnt Doris Goedecker, steige die Krebsrate an.

Das Ergebnis der Studie sei aber nicht ausschließlich auf den Weinkonsum zurückzuführen, sagt die Expertin. Entscheidend seien auch Ernährungsweise und Lebensstil.

Dazu gehöre ein hoher Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln in roher oder nur gering verarbeiteter Form sowie Getreide, Nüsse und Samen.

„Diese Produkte sind reich an Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen und Antioxidantien.“

Täglich Milchprodukte verzehren

Milchprodukte wie Käse und Joghurt sollten täglich in kleineren Mengen verzehrt werden, Fisch und Geflügel einige Male pro Woche, rotes Fleisch, Wurstwaren und Eier nur wenige Male pro Monat.

Die Hauptfettquelle sollte kaltgepresstes Olivenöl sein, alternativ Raps-, Kürbiskern- oder Traubenkernöl, empfiehlt Doris Goedecker.

„Ungesättigte Fettsäuren wirken sich positiv auf die Gesundheit aus.“ Reichlich frische und getrocknete Kräuter sowie Knoblauch trügen wesentlich zum Geschmack bei, sie könnten Salz zum Teil oder völlig ersetzten.

Und last but not least: „Ein bis zwei Gläser Wein pro Tag, die in der Regel zu den Mahlzeiten getrunken werden.“

Die gesundheitsfördernde Wirkung des Weines liegt nach Angaben des „Forums Wein und Gesundheit“ vor allem in der besonderen Kombination wertvoller Inhaltsstoffe mit dem Alkohol: Mikronährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sowie phenolische Verbindungen.

Ihre Bedeutung liegt in der antioxidativen Wirkung, sie können krankmachende Zellreaktionen mit Sauerstoff neutralisieren.

Das trägt dazu bei, bestimmten Krankheiten vorzubeugen und den Alterungsprozess zu verlangsamen. Bei maßvollem Weingenuss beobachten Mediziner weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Ältere Menschen profitieren zusätzlich in einem anderen wichtigen Bereich: Unter Weingenießern finden Ärzte in der Regel bessere kognitive Leistungen und weniger Alzheimer-Erkrankungen.

Zur Anregung des Kreislaufs empfehlen die Experten vom „Forum Wein und Gesundheit“ ein Glas Sekt. Natürlich darf es auch Champagner sein.

Was sagten doch Napoleon und Winston Churchill: „Bei Siegen hat man ihn verdient, bei Niederlagen braucht man ihn.“

Aber wie schon Paracelsus feststellte: „Die Menge macht‘s …“

Weitere Informationen: www.weinundgesundheit.de

Dieser Artikel ist in Ausgabe 40 des pool Magazins erschienen.

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