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Schwimmbad- und Wellness-Magazin.
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Ökologie und Wellness!

Kann man beim Betrieb eines Schwimmbades komplett auf den Einsatz fossiler Brennstoffe verzichten? Man kann!

Auf einer Fachmesse hatten sich der Bauherr und das Künstlerehepaar Heinze kennengelernt. Unmittelbar neben seinem bestehenden Wohngebäude plante er einen Neubau, der nach neuesten ökologischen Erkenntnissen konzipiert und auch mit einer Schwimmhalle im Untergeschoss ausgestattet sein sollte.

Hierzu suchte er auf der Messe Anregungen, was sowohl die technische Realisierung, aber auch die künstlerische Ausstattung betraf. „In mehreren Gesprächen haben wir dann erste Vorstellungen entwickelt“, erzählt Angie Heinze. „Es sollte eine Schwimmbad- und Wellnessanlage werden, in der sich die Bewohner ganz zu Hause fühlen können.

Das heißt kein Stahl oder Beton, sondern organische Formen und warme mediterrane Farben.“ Auf Basis der Gespräche entwickelten Angie und René Heinze ein Konzept, das die vielfältigen Wünsche und Vorstellungen des Bauherrn unter einen Hut brachte: eine technisch hochwertige Anlage, die aber den Charakter eines Wohnbades haben würde.

Wellnessanlage und Schwimmbad

Damit der Bauherr eine Vorstellung davon bekam, wie die Wohlfühloase später aussehen würde, fertigten die Künstler ein Modell im Maßstab 1:10 an. „Eine richtig große Kiste“, erklärt René Heinze, „die aber auch für uns sehr wertvoll war, weil wir genau sehen konnten, wie alle Details zusammenpassen, wie die einzelnen Farben wirken. Wir konnten das Licht planen, Wände verändern oder ganz weglassen oder erst einmal testen, wie die elliptischen Bögen wirken, die wir im ganzen Wellnessbereich integriert haben.“

So entstand nach und nach das fertige Konzept, und die beteiligten Firmen konnten an die praktische Umsetzung gehen. Dem Bauherrn schwebte ein Neubau vor, der den höchsten ökologischen Ansprüchen gerecht wird und bei dem auf den Einsatz fossiler Brennstoffe komplett verzichtet werden kann. „Wir waren sofort begeistert von der Idee eines Sonnenhauses“, erzählt Angie Heinze.

„An diesem Punkt setzte unser gestalterisches Konzept an. Sonnenhaus, Natur, Ökologie, Erde sind die Stichworte. Wir haben versucht, in den Räumlichkeiten den Garten der Erde zu verwirklichen.“ Die Anlage wurde dazu in einzelne Segmente unterteilt, die sich nach Landschafts- und Klimatypen differenzieren. Der größte Bereich ist der Pazifik, also das Schwimmbecken, mit dem kosmischen Himmelszelt darüber. Die Farben sind entsprechend angelegt mit Blautönen sowie Wasser, Sand und Steinen drumherum.

Angegliedert befindet sich daneben der Ruheraum, der als Wüstenlandschaft gestaltet ist mit einer wasserbeheizten Liegefläche und einer Infrarotkabine. Warme, erdige Farben wie Ocker und Holztöne herrschen vor. Der dritte Raum repräsentiert den Dschungel, symbolisiert durch ein Dampfbad und eine Regendusche. Die Fliesen sind alle von Hand geschnitten. Eine helle, freundliche sopra-Saunakabine von Arend mit bodentiefen Glasscheiben sowie Querpaneelen als Verschalung und ein Eisbrunnen sind hier ebenfalls untergebracht.

Dusche und Wärmebank Über ein Display lassen sich verschiedene Lichtszenarien abrufen. Rundbögen finden sich überall in der Schwimmhalle wieder.

Was das Schwimmbecken selbst und die Technik betrifft, so wurden die bsw-Poolbauspezialisten von Schwimmbad Henne ins Team geholt. Der Bauherr hat Bernd Henne auch auf der Messe kennengelernt. „Nach unserer Beratung entschied sich der Bauherr für ein KWS-Schwimmbecken aus PVC-hart in Sandwichbauweise“, erläutert Bernd Henne. Dank der freitragenden Konstruktion des Beckens kann die ganze Technik, die Installationen inklusive Verrohrung, im Untergeschoss besichtigt werden. Der Vorteil: Revisionsarbeiten lassen sich ohne großen Aufwand und schnell durchführen.

Eine Besonderheit: Der Whirlpool wurde nicht etwa nachträglich am Beckenrand platziert, sondern Schwimmbecken und Whirlpool sind aus einem Stück gefertigt. Dazu verfügt das Schwimmbecken über eine Teilüberlaufrinne auf zwei Seiten. Die PVC-Oberkante ist mit einer Steinrinne abgedeckt, die passgenau für dieses Becken angeliefert wurde. Durch einen Schlitz verschwindet das Wasser in der Rinne. „Die Konstruktion funktioniert störungsfrei“, zeigt sich Bernd Henne mit der Lösung zufrieden. Gurgel- oder Fließgeräusche treten nicht auf.

In der hinteren Stirnwand des Pools ist eine zusätzliche Roll­laden­nische integriert. Der Grando-Rollladen deckt die Anlage trotz der eigenwilligen Poolform vollständig ab und trägt wesentlich zur Energieeinsparung bei. Eine weitere Energieeffizienz-Maßnahme ist die Umschalttechnik, wie Bernd Henne erläutert: „Wenn die Anlage benutzt wird, erfolgt die Umwälzung normal über die Rinne. Im Ruhebetrieb, wenn die Abdeckung ausgefahren ist, wird nicht über die Rinne umgewälzt, sondern über den Bodenverlauf. Das bedeutet eine wesentliche Energie­einsparung.“

Mit seiner Größe von 8 m x 3,86 m ist das Schwimmbecken vielfältig nutzbar, da es bewusst in zwei Nutzungsflächen unterteilt ist: Während an der Wand entlang eine lange Bahn entstanden ist, die zum Schwimmen genutzt werden kann, wurde im Bereich des Umgangs, wo das Becken dem Grundriss folgt und abgeschrägt ist, die Einstiegstreppe geschaffen. Im Anschluss an die Treppe ist eine Sitzbank aus dem Beckenkörper herausgeformt, sodass alle Relaxzonen in diesem Teil des Pools konzentriert sind.

Auch beim Whirlpool hat man sich einiges einfallen lassen: Dieser ist Teil des Schwimmbadwasserkreislaufs. Bei Benutzung wird der Whirlpool abgeriegelt und das Wasser von 30°?C auf 36°?C aufgeheizt. Das heißt, nur um diese 6°?C muss der Whirlpool zusätzlich aufgeheizt werden, was wiederum Energie ein­spart. Ein gestalterisches Detail: Am Whirlpoolrand wurde eine Überlaufkante aus Stein geschaffen. Auf Wunsch ergießt sich ein Wasserfall ins darunterliegende Schwimmbecken.

Die aufwendige, vollautomatische sopra-Technik befindet sich im Untergeschoss der Schwimmhalle: Zur Ausstattung gehören ein Mehrschichtfilter mit automatischer Rückspülung, freie Chlor- und pH-Wert-Messung, Desinfektion mit einer Soprazon-Elektrolyse-Anlage sowie ein Steuerungsgerät und der Niedertemperatur-Wärmetauscher.

Die Technik entspricht vom Standard her einem Hotelbad. „Für die Technik stand im Untergeschoss sehr viel Platz zur Verfügung“, lobt Bernd Henne das Anlagenkonzept. Doch nicht nur das Schwimmbecken, sondern das gesamte Wohngebäude ist auf maximale Energie­effizienz getrimmt. Treibende Kraft war der Bauherr, der sein großes technisches Verständnis auf diesem Gebiet
in das neue Wohngebäude mit einbrachte. So befindet sich eine Solarthermie-Anlage mit 110 m2 Fläche auf dem Dach und drei Wassertanks mit zusammen 45.000 Liter im Untergeschoss neben dem Schwimmbecken. Die Tanks werden permanent mit Wärmeenergie beschickt, wobei das Wasser in den Tanks geschichtet ist, von etwa 78°?C im oberen Bereich bis 45°?C im unteren Teil des Kessels.

„Das Wasser wird immer von unten entnommen“, betont der Bauherr. „Dadurch liegen wir immer im optimalen Bereich und können zur Beheizung des Wohnhauses und des Schwimmbades ausschließlich den Wasserspeicher nutzen. Bisher wurde kein Tropfen Öl oder Gas verwendet.“ Zusätzlich steht noch ein Kaminofen zur Verfügung, der aber bisher nicht benötigt wurde. Über ein ausgeklügeltes Wärmemanagement-System und verschiedene Wärmetauscher wird die Wärme dann auf die einzelnen Energieverbraucher verteilt.

Dieses System funktioniert auch im Winter einwandfrei. „Dank der ISO-Wärmedämmung und -Dampfsperre in der Schwimmhalle geht praktisch keine Energie verloren“, erläutert der Bauherr. „Und die Schwimmhalle wird trotzdem permanent auf 30°?C Raumtemperatur gehalten.“ So ist eine Wohlfühloase entstanden, die sich nicht nur gestalterisch, sondern auch technisch auf dem neuesten Stand befindet.

Dieser Artikel ist in Ausgabe 50 des pool Magazins erschienen.

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