So wird das Becken fit für den Winter
Für die Besitzer eines Gartenpools beginnt nach der Badesaison die Vorbereitung des Schwimmbeckens auf die kalte Jahreszeit. Im Gespräch mit Poolexperte Frank Eisele klären wir, was es bei der erfolgreichen Überwinterung zu beachten gilt und welche zwei Methoden es gibt, einen Pool in den Winterschlaf zu versetzen.

POOL: Nach jeder Badesaison steht bei Gartenpools die fachgerechte Überwinterung der Schwimmbadanlage an. Warum ist das so wichtig?
Bei einer Überwinterung verbleibt das Wasser im Becken oder wird allenfalls geringfügig abgesenkt. Damit sich die Gefahr der Eisbildung nicht nachteilig auf die Beckenkonstruktion und die Rohrleitungen auswirkt, müssen die Entleerungen, Wasserstände und die Vermeidung von Wassereintritt genau beachtet werden. Schließlich kann – je nach Art der Überwinterung – auch das Wasser in der nächsten Badesaison wieder direkt weiterverwendet werden, sodass diesbezüglich die richtigen Einstellungen vorgenommen werden müssen.
Frank Eisele
Bei einem Schwimmbecken handelt es sich um ein Bauwerk, das durch die Belastung mit Wasser und den von außen wirkenden Druck einem steten Einfluss ausgesetzt ist. Gerade bei Becken, bei denen eine Teilentleerung angestrebt wird, müssen die Wasserstände berücksichtigt werden. Und natürlich ist der Temperatureinfluss – also insbesondere die Eisbildung – zu beachten.
POOL: Gibt es eine Empfehlung, ab wann nach der Badesaison mit der Überwinterung begonnen werden soll?
Hierzu gibt es keine genauen zeitlichen Vorgaben oder Empfehlungen. Wenn die Badesaison vermeintlich vorüber ist, kann man die Überwinterung getrost vornehmen.
Frank Eisele
POOL: Fachleute sprechen bei der Überwinterung privater Pools von der aktiven oder passiven Methode. Können Sie erklären, worin die wesentlichen Unterschiede bestehen?
Der Unterschied besteht darin, dass bei der aktiven Überwinterung das Becken gefüllt bleibt und aufbereitet wird – also aktiv betrieben wird –, jedoch mit reduzierter Temperatur. Die passive Überwinterung ist die klassische Überwinterungsform und kommt erfahrungsgemäß am häufigsten zur Anwendung. Hierbei wird die Aufbereitungsanlage außer Betrieb genommen, die Rohrleitungen werden entleert und das Wasser im Becken wird ein Stück abgesenkt, sodass die oben liegenden Rohrleitungen (im frostgefährdeten Bereich) entleert werden können.
Frank Eisele
POOL: Für welche Beckenkonstruktionen und technischen Anlagen empfehlen Sie eine aktive Überwinterung und wann ist eine passive Lösung sinnvoller?
Genau genommen kann man beide Arten der Überwinterung für sämtliche Beckenkonstruktionen verwenden. Bei Schwimmbecken mit Überlaufrinne kann – je nach Lage und den zu erwartenden Temperaturen – eine Wasserentnahme aus dem Becken sinnvoll sein. Wichtig und sinnvoll ist bei einer aktiven Überwinterung, dass eine Temperaturüberwachung aktiv ist, die entweder eine geringe Erwärmung in Gang setzt oder die Laufzeit aktiviert bzw. erhöht, um der Gefahr einer Eisbildung zu begegnen.
Frank Eisele

POOL: Gibt es mit Blick auf Wasserattraktionen wie Gegenstromanlagen, Schwallduschen oder Massagedüsen besondere Anforderungen zu berücksichtigen?
Attraktionen, die über dem Wasserspiegel liegen, sind in jedem Fall zu entleeren und gegen eindringendes Wasser zu verschließen. Bei Gegenstromanlagen oder Massageanlagen ist darauf zu achten, dass der Wasserstand unter die Öffnungen abgesenkt wird und diese gegen eindringendes Wasser verschlossen werden. Die tiefer liegenden Ansaugstellen und Ansaugleitungen sind dabei meist mit Wasser gefüllt, da sie üblicherweise aufgrund ihrer Lage bzw. Tiefe im sogenannten frostfreien Bereich angeordnet sind. Die Pumpen sind dabei zu entleeren und zu belüften oder gegebenenfalls auszubauen – gerade dann, wenn sie in einem Schacht angeordnet sind.
Frank Eisele
POOL: Wie unterscheiden sich Wartungsaufwand und Kontrollintervalle zwischen einer
aktiven und einer passiven Überwinterung?
Genau genommen sind bei beiden Überwinterungsarten Kontrollen erforderlich. Das beginnt bei der passiven Überwinterung damit, dass regelmäßig kontrolliert wird, ob die weiter oben liegenden Rohrleitungen verschlossen sind und kein Wasser eindringt. Ebenso sollte auf Schneelasten geachtet werden, die auf Abdeckungseinrichtungen, zum Beispiel Winterabdeckungen, einwirken können. Bei der aktiven Überwinterung kommen erfahrungsgemäß allein aufgrund der Tatsache, dass die Aufbereitungsanlage in Betrieb ist, weitere Kontrollen hinzu. Dazu gehören unter anderem die Kontrolle des Wasserstands im Becken, die Reinigung des Vorsiebs und – wenn auch nicht so häufig wie während der Badesaison – die Durchführung einer Filterspülung. Das bedeutet: In diesem Fall ist der zeitliche Aufwand durchaus etwas höher.
Frank Eisele
POOL: Mit welchen Kosten und welchem Energieverbrauch müssen Poolbesitzer bei einer aktiven Überwinterung rechnen?
Das hängt grundsätzlich von der Größe des Beckens und der vorhandenen Pumpenleistung ab. Dazu lassen sich keine generellen Aussagen treffen.
Frank Eisele
Exemplarisch am Beispiel einer Pumpe mit einer Leistungsaufnahme von ca. 0,5 kW (500 W) und einer Laufzeit von zwölf Stunden täglich beträgt der Energiebedarf rund 6 kWh pro Tag. Bei einem angenommenen Strompreis von 0,30 €/kWh lägen die reinen Stromkosten bei etwa 1,80 € pro Tag.
Hinzu kommen Kosten für Pflegemittel – wenn auch deutlich weniger als während des Badebetriebs –, etwas Füllwasser (für die gelegentliche Filterspülung) sowie geringe Leistungsaufnahmen der Steuergeräte. Einen größeren Einfluss haben Verbraucher, die zur Beheizung und gegebenenfalls zur Frostfreihaltung erforderlich sind.

POOL: Welche typischen Fehler beobachten Sie bei privaten Poolbesitzern während der Vorbereitung auf die Überwinterung ihres Pools?
Ein klassischer beziehungsweise typischer Fehler ist, dass das Becken komplett entleert wird. Dadurch kann es zu Beschädigungen an der Beckenstruktur kommen, wenn der Druck von außen – zum Beispiel durch nicht versickerndes Wasser oder Grundwasser – höher ist und einen Auftrieb verursacht.
Frank Eisele
POOL: Welchen Rat geben Sie einem neuen Poolbesitzer, der zum ersten Mal entscheiden muss, welche Überwinterungsart für seinen Pool die beste Lösung ist?
Hier würde ich dazu tendieren, die Art der Überwinterung von den zu erwartenden Außentemperaturen abhängig zu machen. Ist der Winter eher mild und der Pool zudem in einer geschützten Lage, würde ich die aktive Überwinterung vorziehen. Andernfalls wäre die passive Überwinterung vorzunehmen.
Frank Eisele
POOL: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Eisele.
Dipl.-Ing. Frank Eisele ist von der IHK Region Stuttgart öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schwimmbad- und Wellnesstechnik sowie für Technische Gebäudeausrüstung von Schwimmhallen. Zudem ist er
Mitglied in zahlreichen Branchenausschüssen und -gremien. Darüber hinaus engagiert sich Frank Eisele als Vorsitzender des Technischen Beirats im Bundesverband Schwimmbad & Wellness e. V. (bsw) sowie als Mitglied des bsw-Vorstands für die Branche.
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