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Herztraining

Hintergrundwissen zum Saunabaden: Was passiert denn da genau mit Herz und Kreislauf?

Im menschlichen Körper ist das Blut Haupttransportmittel für Wärme, Materiallieferant für die Schweißdrüsen, und es sichert darüber hinaus durch Mehr- oder Minderdurchblutung bestimmter Körperbezirke dem Menschen weitgehend die notwendige Gleichwärme im Körperkern.

Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, muss das Herz als Motor des Kreislaufs beim Aufenthalt im Saunaraum mehr leisten.

Aber nicht soviel mehr, daß es zu einer wirklichen Belastung oder gar Überbelastung käme, wie manchmal behauptet wird. Das Saunabad stellt lediglich eine milde Form der Kreislaufbelastung dar, die oft weit unter den physiologischen Kreislaufbelastungen liegt, die uns im täglichen Leben begegnen.

Während des Aufenthaltes im Saunaraum kommt es aufgrund der Wärme zu einer Erhöhung der Haut- und der Körperinnentemperatur.

Sauna Foto: © Image Source

Mit dem Ziel der Wärmeabwehr wird dann das Kreislaufsystem, das sich in der Peripherie in immer kleinere Gefäße verzweigt, vor allem im Hauptorgan erweitert.

Diese Veränderungen sind mit einer Intensivierung der Herzfunktion verbunden, denn eine vermehrte Hautdurchblutung ist nur möglich, wenn das Herz eine größere Blutmenge pro Zeiteinheit ausstößt.

In der Saunawärme nehmen deshalb die Herzfrequenz – die Anzahl der Herzschläge in der Minute – und das Herzvolumen – die ausgestoßene Blutmenge – zu. Die Herzfrequenzzunahme beträgt, wie jeder Saunabesucher durch Zählen des eigenen Pulses feststellen kann, etwa 50 Prozent.

Das ist bei gesunden Menschen und empfohlenem Verhalten im Saunaraum ein Wert von etwa 120 Schlägen pro Minute. Pulssteigerungen auf wesentlich höhere Werte können entweder auf einen schlechten Trainingszustand oder aber auf eine krankhafte Veränderung des Herzens hinweisen.

Wer so etwas an sich beobachtet, sollte sich ärztlich untersuchen lassen.

Mit einer vorübergehenden Steigerung der Pulszahl muß allerdings im Augenblick des Aufgusses gerechnet werden.

Der österreichische Sportmediziner Ludwig Prokop nennt eine Zunahme um etwa 15 bis 20 Schläge. Aber bereits eine Minute nach dem Aufguß geht die Herzfrequenz wieder deutlich zurück.

Sehr interessant ist bei seinen Untersuchungen die Feststellung, daß bei saunagewöhnten Menschen selbst nach einem Aufguß nur selten ein Pulsanstieg von über 120 Schläge pro Minute gemessen wurde.

Vorausgesetzt werden muß dabei aber sicher, daß eine normal dosierte Wassermenge auf den Ofen aufgeschüttet wird.

Die Steigerung der Herzfrequenz

Allgemein wird von Wissenschaftlern festgestellt, daß die Steigerung der Herzfrequenz in der Sauna von mehreren Umständen abhängt:

  • vom jeweiligen Trainingszustand des Herzens
  • von der nervlichen Konstitution des Menschen, von seiner Saunagewöhnung
  • vom richtigen Verhalten des Badenden im Saunaraum.

Für das Letztere raten die Mediziner besonders zur Muskelruhe, aber weniger deshalb, weil sie Zwischenfälle befürchten, sondern weil ein Ziel des Aufenthaltes in der Saunawärme die umfassende Entspannung ist.

Deshalb soll hier daran erinnert werden, daß die Empfehlungen für einen günstigen Badeablauf lauten, sich in der Saunakabine auf eine der Bänke zu legen.

Dies ist ohne Zweifel die kreislaufschonendste Position in der Sauna. Mit dem Aufsetzen zum Schluß des Saunaaufenthaltes steigt dann die Pulszahl zwar etwas an, um dann aber nach Verlassen der Saunakabine wieder abzufallen.

In der Abkühlphase erreicht die Herzfreqeunz schon bald die Ausgangswerte wieder.

Bluthochdruck: Was tun?

Als Grund für die größere Herzaktivität war einleitend die wärmebedingte Durchblutungssteigerung der Haut genannt worden. Dafür reicht jedoch die Zunahme der Herzschlagfolge allein nicht aus.

Nun kann die vom Herzen geförderte Blutmenge nicht nur durch eine häufigere Kontraktion des Herzmuskels (Frequenzsteigerung) gesteigert werden, sondern auch durch die Vergrößerung des Schlagvolumens.

Das bedeutet, daß bei jedem Schlag mehr Blut aus dem Herzen hinaus befördert wird. Die Kraft, mit der sich der Herzmuskel zusammenzieht, wird nämlich unter dem Einfluß des Sympathikusnervs größer und steigert damit die Herzfördermenge um 75 bis 100 Prozent.

Diese Erhöhung der Umlaufmenge des Blutes auf beinahe das Doppelte wird aber mit einer Frequenzsteigerung von nur 50 Prozent erreicht, was für die ökonomische Arbeitsweise des Herzens unter der Saunawärme spricht.

Und dafür gibt es eine einleuchtende Erklärung: Es ist die Abnahme des „peripheren Widerstandes“ – des Reibungswiderstandes in den Blutgefäßen – die durch eine umfangreiche Erweiterung der Blutgefäße in der Haut erreicht wird.

Dadurch wird dem Herzen die Pumparbeit ganz erheblich erleichtert. Finnischen Forschungsergebnissen zufolge reduziert sich der periphere Widerstand auf fast die Hälfte des Wertes, der vor dem Betreten des Saunaraumes gemessen wurde.

Dieser Umstand ist auch von Bedeutung für die Beurteilung des Blutdrucks beim Saunabaden.

Medizinische Untersuchungen haben immer wieder bestätigt, daß sich beim Hochdruckpatienten der Blutdruck während des Saunabades verringert, oft bis zu Normalwerten.

Die Erweiterung der Arterien, insbesondere der kleinsten, der Arteriolen, hat die günstige Folge, daß das Herz weniger Druck entwickeln muß, um das Blut durch die Gefäße zu treiben.

Es gibt nur wenige Bluthochdruckfälle, wo das nicht funktioniert, etwa beim „malignen Hochdruck“.

Trotzdem soll der Hochdruckpatient seine Absicht, saunazubaden, mit seinem Arzt besprechen.

Was Saunawärme, Luftbad- und Wasserabkühlung betrifft, so badet der Hochdruckpatient ganz normal. Er läßt nur das kalte Eintauchbad fort, weil durch den Wasserdruck der Blutdruck stärker ansteigen würde.

Saunabad und geringer Blutdruck

Auch bei Patienten mit zu geringem Blutdruck bessert sich dieser beim Saunabad, weil die Gefäße besser gefüllt werden, und die umlaufende Blutmenge durch Entleerung von „Speichern“ zunimmt.

Diesen Saunabesuchern nützen besonders die kräftigen Kaltanwendungen einschließlich des Tauchbeckens. Auch sie sollten auf regelgerechtes Baden achten, also nicht herumstehen, weil beim Stehen der Blutdruck abfallen kann.

Sauna entspannt Körper und Psyche, die Muskeln und nicht zuletzt auch die Muskeln in den Blutgefäßen.

Grundsätzlich kann festgestellt werden, daß Herz und Blutkreislauf durch die Saunawärme und durch die Kaltwasseranwendungen in der Abkühlphase zu Anpassungsvorgängen gefordert werden.

Von besonderer „Belastung“ kann dabei aber nicht gesprochen werden, denn der menschliche Körper ist so eingerichtet, daß er sich immer wieder Bedingungen schafft, die einen physiologischen Ausgleich ermöglichen.

Dieser Artikel ist in Ausgabe 18 des pool Magazins erschienen.

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