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Schwimmbad- und Wellness-Magazin.
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Der Sauna-Aufguss

Pool gibt Tipps und erläutert Hintergründe zur Zeremonie des Sauna-Aufgusses.

Die Herkunft des Wortes „Stube“ gibt einen Hinweis darauf, daß es wohl eine sehr alte Kulturgewohnheit des Menschen ist, in einem Raum Wasser zum Verdampfen – zum „Stieben“ – zu bringen, um dann in diesem Dampf zu baden.

Im Althochdeutschen bedeutete das Wort „stuba“ Badegemach, und noch im Mittelniederländischen wurde ein heizbarer Raum oder ein Warmbad „stove“ genannt. Die sprachgeschichtliche Forschung sieht dabei auch Zusammenhänge mit dem altgriechischen Wort „typhos“ für Dampf, Qualm.

Und nach allem, was wir über das Badewesen früherer Zeiten wissen, ist durchaus anzunehmen, daß das Aufgießen von Wasser auf heiße Steine zur Steigerung der Wärmewirkung ebenfalls eine lange Tradition hat. In der Praxis des Saunabadens hat sich diese Sitte jedenfalls bis in unsere Tage erhalten.

Deshalb gehört zur echten finnischen Sauna auch heute noch der typische Saunaofen. Er wird mit einer möglichst großen Menge Naturstein gefüllt, die einerseits als Wärmespeicher dienen, andererseits Aufgußfläche für das Wasser sind.

Sauna Frau Foto: © Denkou Images

Damit das aufgegossene Wasser wirklich schlagartig verdampft und nicht langsam verkocht, müssen die Steine zwischen 300 und 450 Grad Celsius heiß sein, und in holzbefeuerten Öfen werden sie manchmal bis zur Rotglut erhitzt.

Deshalb kommen auch nur bestimmte Gesteinsarten für die Saunaöfen in Frage. Sie müssen nicht nur die große Hitze vertragen können, sie dürfen auch nicht zerplatzen, wenn das kalte Wasser auf sie trifft. Diesen Anforderungen entsprechen insbesondere Tiefengesteine wie Granite, Diorite, Gabbros und vor allem Peridotite.

Das Klima im Saunaraum verändert sich schlagartig, wenn das auf die heißen Steine gegossene Wasser verdampft. Die Luft in der Kabine wird, wenn auch nur kurzzeitig, angefeuchtet.

Allerdings wird die klimatisch relativ trockene Sauna deshalb nicht gleich zum Dampfbad, wie manchmal behauptet wird. Das echte Dampfbad hat einen Feuchtigkeitsgehalt, der durch deutlich sichtbare Nebelschwaden gekennzeichnet ist.

So hoch steigt der Feuchtigkeitsgehalt der Luft im Saunaraum nach einem normal dosierten Aufguß nicht an, und auch der Wasserdampf bleibt unsichtbar. Außerdem sorgt die ständige Lufterneuerung in der Kabine rasch für einen Ausgleich, und die hölzernen Wände nehmen ebenfalls etwas von der Feuchtigkeit aus der Luft auf.

Wenn der Dampfstoß, wie der Aufguß manchmal auch recht prägnant bezeichnet wird, nun die Haut des Badenden erreicht, unterbleibt kurzfristig, was eigentlich charakteristisch für die Sauna mit ihren hohen Temperaturen ist: die Schweißverdunstung. Damit wird aber gleichzeitig die vom Körper erstrebte Hautkühlung unterbrochen.

DER AUFGUSS STEIGERT DIE WÄRMEEMPFINDUNG

Außerdem kommt es noch zu einem anderen Effekt. Mit der Erhöhung der Luftfeuchtigkeit ist ein Anstieg des Taupunktes verbunden, also der Temperaturgrenze, bei der in der Luft vorhandener Wasserdampf gerade kondensieren würde.

Im Bereich der Badezone – auf den oberen Bänken – kann der Taupunkt die 50 Grad Celsius schnell überschreiten, was dann zu einem merklichen Wasserniederschlag auf der nur 37 bis 40 Grad Celsius warmen Haut und zur Freisetzung von Wärme führt. Der Dampf wandelt sich nämlich in Flüssigkeit zurück, wobei Kondensationswärme frei wird.

Der starke Hitzereiz des Aufgusses beruht also auf der Wärmeentwicklung durch den Wasserdampfniederschlag und auf der aussetzenden Hauptkühlung wegen der nicht mehr möglichen Schweißverdunstung.

Viele Saunagänger haben sich übrigens durch die nach dem Aufguß von der Haut perlenden Wassertropfen täuschen lassen und sie ausschließlich für Schweiß gehalten. Das sind sie, wie beschrieben, zunächst nicht, obwohl durch den kräftigen Wärmereiz auch die Schweißdrüsen nochmals zur Tätigkeit angeregt werden.

Zu der kräftigen Wärmeempfindung beim Dampfstoß tragen aber noch weitere Umstände bei. Der Aufguß wird oft als regelrechte Zeremonie zelebriert, wozu als Abschluß das sogenannte Wedeln gehört. Dabei läßt derjenige, der das Wasser aufgeschüttet hat, ein Handtuch über dem Kopf kreisen, oder er faßt an zwei Ecken an und wedelt so die vom Ofen aufsteigende heiße Luft zu den Badenden hin.

Die Wärme des Dampfstoßes wird hierdurch noch intensiver wahrgenommen, denn die Luftbewegung reißt die gewöhnlich über der menschlichen Haut ruhende Luft- oder Haftschicht fort und läßt die heißere Raumluft ungehindert herankommen. Diese dünne Luftschicht, die praktisch alle unbewegten Gegenstände umgibt, dient eigentlich zur Isolation der Haut. Deshalb empfindet man beispielsweise Kühle am Strand als besonders unangenehm, wenn der an der See wehende Wind die Isolationsschicht fortbläst.

In der Sauna verhält es sich ähnlich. Nur dämmt die Luftschicht dort die Haut vor der Wärmeeinwirkung durch die heiße Luft (Konvektion) ab, wenn sie nicht durch das Wedeln absichtlich entfernt wird.

Zum gleichen Zweck benutzt der Finne den auf Saunafotos oft abgebildeten Birkenquast. Dieses aus jungen Birkenzweigen gebundene Büschel gehört seit eh und je im hohen Norden zum Saunabaden. Daß es auch heute noch weit mehr als nur ein Accessoire ist, belegt die Redensart: „Das Saunen ohne Büschel ist, als ginge der Holzfäller ohne Axt in den Wald.“

Im Augenblick des Dampfstoßes beklopft sich der Finne mit dem Birkenquast. Der Aufgußdampf wird so an den Körper herangeholt, denn beim Auftreffen des Quastes auf die Haut wird die über ihr ruhende Luftschicht weggeschlagen.

Mit den Birkenbüscheln wird aber noch ein weiterer, sehr angenehmer Zweck verfolgt. Einige Zeit vor dem Gebrauch weicht man die Büschel nämlich in dem Aufgußwasser ein. Dabei geht das Birkenblätteröl in das Wasser über. Wenn das Wasser dann auf die heißen Steine aufgespritzt wird, was ebenfalls mit den Quasten geschieht, entfaltet sich der angenehm erfrischende Duft der Birke.

Wegen der Verschmutzung durch die abfallenden Birkenblätter, aber auch wegen des Mangels an Birkengrün hat sich die finnische Sitte bei uns nicht durchsetzen können.

Für den Gebrauch in der Privatsauna kann man Birkenreisige allerdings im Saunazubehörhandel kaufen. Sie werden getrocknet und gebunden aus dem Heimatland der Sauna importiert und müssen vor Gebrauch in Wasser eingeweicht werden.

Hierzulande versetzt man das Aufgußwasser gern mit einigen Tropfen ätherischer Öle, um beim Dampfstoß ebenfalls eine Duftwirkung zu erzielen. Dabei ist es reine Geschmacksache, ob man Konzentrate aus Gebirgslatschenkiefern oder Fichtennadeln, Eukalyptus, Minze, Birke, Wacholder oder sogar Salbei wählt.

Allerdings sollte man mit dem Konzentrat vorsichtig umgehen. Vor Betreten der Saunakabine werden lediglich ein paar Tropfen nach Dosierangabe des Herstellers in das Aufgußwasser gegeben.

Auf gar keinen Fall darf man das Konzentrat direkt auf den Ofen schütten, denn es kann dann leicht eine Stichflamme emporschießen. Etliche Saunabrände sind so schon entstanden und haben Sach- und Personenschäden verursacht.

In öffentlichen Saunabädern sollte wegen dieser Gefahren ein Aufguß nur vom Personal durchgeführt werden. Neben dem Sicherheitsaspekt sollte auch daran gedacht werden, daß ein vom Saunameister durchgeführter Aufguß den Gästen verdeutlicht, daß sie in dem Betrieb gut betreut werden.

Und welche Wassermenge sollte dann aufgegossen werden, um den Dampfstoß richtig zu dosieren? Um ein allgemein gültiges Maß nennen zu können, wird von Saunafachleuten die Aufgußmenge in Beziehung zur Größe des Saunaraumes gesetzt.

Danach sind etwa 10 – 15 g Wasser pro cbm Rauminhalt der Kabine die angemessene Menge, um ein weiterhin gut erträgliches Saunaklima beizubehalten.

Es macht nämlich einen erheblichen Unterschied, ob in einer acht Quadratmeter großen Privatsauna ein halber Liter auf den Ofen geschüttet wird – was empfindliche Badende schon von den Bänken treiben könnte – oder ob die gleiche Menge in einem öffentlichen Bad in einem 40 qm großen Saunaraum aufgegossen wird, für dessen Volumen es das richtige Maß wäre.

DER AUFGUSS SOLLTE ANGEKÜNDIGT WERDEN

In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, daß die Aufgußsitten manchmal problematisch sind.

Besonders trifft das für Österreich zu, wo der Aufguß oft sehr reichhaltig durchgeführt wird. Zwischen vier und sieben Liter Wasser werden dort aufgeschüttet, und der Hitzereiz durch die Kondenswärme ist so stark, daß die Saunagänger ihn manchmal nur noch auf dem Fußboden hockend ertragen können.

Die Saunakabine verlassen können die Badenden während dieser „Zeremonie“ nicht, denn die Tür wird üblicherweise abgesperrt. Es versteht sich von selbst, daß österreichische Mediziner mit diesen Methoden nicht einverstanden sind. Die Kreislaufbelastung durch die zusätzliche Wärme ist nämlich nicht zu unterschätzen.

Doch trotz aller Mahnungen gehört ein solcher Aufguß an vielen Orten Österreichs offenbar zum Saunavergnügen. Darüber hinaus muß man objektiv feststellen, daß manchmal auch bei uns (und sogar in Finnland) nicht das richtige Maß gefunden wird.

Wie häufig soll bei einem vollständigen Saunabad nun ein Aufguß gemacht werden? Üblicherweise erfolgt der Dampfstoß als Höhepunkt am Ende der Wärmephase. Damit die Badegäste öffentlicher Sauna-Anlagen sich darauf einrichten können, wird er dort zu bestimmten Zeiten, beispielsweise jede halbe Stunde oder immer zur vollen Stunde, angeboten.

Wo nicht in regelmäßigen Zeitabständen aufgegossen wird, ist es angebracht und gehört es zum guten Ton, daß die Mitbadenden gefragt werden, ob sie mit einem Aufguß einverstanden sind. Verständlicherweise ist es nicht jedem angenehm, einen Aufguß dann mitzubekommen, wenn er gerade erst auf der Saunabank Platz genommen hat.

Wegen des geringen Feuchtigkeitsgehaltes der Saunaluft im Winter empfiehlt es sich übrigens, einen ersten Aufguß ausnahmsweise schon vor Inbetriebnahme der Sauna zu machen. Die Winterluft ist nämlich oft sehr trocken, und da sie über die Lüftung in die Kabine gelangt, ist es günstig, sie durch ein oder zwei Aufgüsse anzufeuchten, um ein Austrocknen der Schleimhäute in Nase und Rachen zu vermeiden.

Auch solche kleinen Aufmerksamkeiten tragen zum Wohlbefinden der Gäste bei.

Dieser Artikel ist in Ausgabe 17 des pool Magazins erschienen.

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