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Schutz vor freien Radikalen

Gesunde Ernährung: Warum sogenannte Superfoods – also naturbelassene Lebensmittel – zuverlässig gegen zellschädigende Sauerstoffmoleküle wirken.

Die Gefährlichkeit von freien Radikalen ist immer wieder Thema in Gesundheitsbeiträgen zahlreicher Medien. Allerdings lassen viele Beschreibungen zu wünschen übrig. Ein Beispiel: „Freie Radikale zerstören Zellen oder Bestandteile von Zellen wie zum Beispiel Collagenfasern, die für ein jugendliches Aussehen sorgen.“ Das stimmt. Aber was genau sind freie Radikale?

Ingwer Wird Ingwer pulverisiert, kommt er auf einen ORAC-Wert von 39.000. (c) Ulla Robbe

Markus Will, Facharzt für Allgemeinmedizin, Stresstherapeut und Gesundheitscoach sowie Geschäftsführer des „Ärztlichen Gesundheitszentrums in Lampertheim“, bringt es verständlich auf den Punkt: „Jedes Ding auf unserer Erde besteht letztlich aus Atomen“, erläutert der Experte. „Atome bestehen aus einem Atomkern, der von Elektronen umkreist wird. Diese Elektronen können wir uns als Bindungs­arme vorstellen. Atome lagern sich zu Gruppen von Atomen, den Molekülen, zusammen. Werden bei dieser Gruppenbildung alle Bindungs­arme benutzt, entsteht ein stabiles Molekül.“

Wenn in diesem Molekül aber ein Bindungsarm frei bleibt, ist laut Markus Will dessen Zustand sehr instabil. Das Molekül ist jetzt extrem reaktionsfreudig. Der freie Bindungsarm wird alles daransetzen, eine Bindung einzugehen. Vereinfacht kann man das, was jetzt passiert, so beschreiben: Unser Molekül mit dem freien Bindungsarm entreißt dem nächsten Molekül, das um die Ecke kommt, ein Atom, meist ein Wasserstoffatom, und ist nun stabil.

Diesem nächsten Molekül fehlt jetzt ein Wasserstoffatom, ein neues freies Radikal ist entstanden. Das Spiel geht weiter und weiter. Die Reaktion setzt sich Markus Will zufolge ungehemmt fort, bis ein Molekül getroffen wird, das ein Atom abgeben kann, ohne selbst in ein freies Radikal umgewandelt zu werden.

Walnüsse Walnüsse sind besonders gesund: Sie enthalten hochwertiges Öl und verfügen über einen ORAC-Wert von 13.000. (c) Ulla Robbe

Solche Stoffe nennen wir „Radikalfänger“ oder auch „Antioxidantien“. Wichtige Vertreter dieser Gruppe sind Vitamine wie A, C und E sowie die Spurenelemente Zink und Selen. „Bei dem Prozess der Entschärfung der freien Radikale werden die Antioxidantien verbraucht. Um den Schutz des Körpers aufrechtzuerhalten“, bekräftigt der Mediziner, „sind wir deshalb auf eine regelmäßige und ausreichende Zufuhr angewiesen.“

Freie Radikale entstehen bei dem für die Zelle so bedeutsamen Prozess der Energiegewinnung. Jede Zelle beherbergt Tausende kleine Kraftwerke, die Mitochondrien. Sind wir nicht ausreichend geschützt, können die aggressiven Sauerstoffradikale im Zellkern immensen Schaden anrichten, betont Markus Will. Dabei kann es zu Veränderungen der Erbinformationen kommen, was zu Mutationen bis zur Entstehung von Krebszellen führt.

Durch den Beschuss mit freien Radikalen wird auch die empfindliche Zellmembran geschädigt. Ist deren komplexe Struktur verletzt, kann die Zelle nicht mehr optimal versorgt und entgiftet werden. Es kommt zur fortschreitenden Schädigung bis hin zum Zelltod. Freie Radikale, informiert der Facharzt weiter, verändern chemisch auch Fette im Körper, beispielsweise das „schlechte Cholesterin“. Es oxidiert, das heißt, es „rostet“, woraufhin es zu Einlagerungen in Gefäßwände kommen kann – die Gefäße verkalken. Das wiederum führt zu Arteriosklerose, die letztlich Herzinfarkte und Schlaganfälle auslöst.

Faktoren, die die Entstehung von freien Radikalen fördern, sind Rauchen, falsche Ernährung, übermäßiger Alkoholkonsum, Stress, Schlafmangel, Medikamente, Strahlenbelastungen, Umweltverschmutzung und Leistungssport. Der Körper verfügt über eigene Schutzsysteme, die helfen, den permanenten Angriff von freien Radikalen abzuwehren. Diese werden unterstützt durch viel Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf sowie durch den Verzehr von Obst, Gemüse und Salat.

Antioxidatien-Check Beim Antioxidantien-Check wird auf einer Skala von 1 bis 10 die Menge der Gesundheitsmarker im Gewebe gemessen. (c) Ulla Robbe

Woher aber weiß man, ob der Körper über eine ausreichende Anzahl Radikalfänger verfügt? Wolfgang Arndt, Inhaber des Reform­-hauses Arndt in Borken/Westfalen, empfiehlt den kostenlosen Antioxidantien-Check. „Für die Messung wird ein neu entwickeltes Gerät der Firma biozoom eingesetzt, das den Status an antioxidativ wirkenden Vitaminen und Schutzstoffen in der Haut binnen weniger Sekunden präzise und medizinisch valide bestimmt“, erläutert der Reformhaus-Fachberater. „Bei dieser wissenschaftlich anerkannten Methode wird Licht in die Haut eingestrahlt und das zurückgestreute Licht analysiert. Dieses enthält detaillierte Informationen über Art und Menge der Gesundheitsmarker im Gewebe.“ Die Messung, bei der der Handballen für wenige Sekunden auf einen Messpunkt gelegt wird, ist für die Testperson nicht wahrnehmbar. Adressen der über 350 teilnehmenden Reformhäuser bundesweit sind auf der Internetseite www.triaet.de zu finden.

Das Ergebnis der Messung wird auf einer Skala von eins bis zehn angezeigt. Ist der ermittelte Wert zu niedrig, empfiehlt Hans-Merten von Leliwa, Heilpraktiker aus Borken, eine antioxidantienreiche Ernährung mit hohem Anteil an bioaktiven Polyphenolen. „Eine ausreichende Menge dieser sekundären Pflanzenstoffe schützt zuverlässig vor der zellschädigenden Wirkung der freien Radikale“, versichert der Experte.

Das gelinge am schnellsten mit sogenannten Superfoods – naturbelassenen Lebensmitteln mit besonders hohem ORAC-Wert. „Die Abkürzung steht für Oxygen Radical Absorp­tion Capacity und bezeichnet die antioxidative Fähigkeit eines Lebensmittels, freie Radikale zu binden. Je höher der Wert, desto mehr zerstörerische Sauerstoffmoleküle können neutralisiert werden.“ Allgemein gelte ein ORAC-Wert von mehr als 10.000 als hoch, informiert von Leliwa. Werte ab 100.000 µmol TE/100 g seien herausragend – diese Produkte werden als „Super-Antioxidantien“ bezeichnet.

Holunder (c) aliasemma/shutterstock.com

Hier einige Beispiele pro 100 Gramm: Nelken 290.000, Traubenkernmehl 100.000, Maqui-Beeren-Pulver 87.000, Moringa-Oleifera-Blattpulver 63.000, Xoçai-Schokolade 60.000, dunkle Schokolade 50.000, Acai- und Ingwerpulver 39.000, Granatapfel 10.500 sowie Cranberrys 9.000 (Quelle: www.orac-info-portal.de). Wird das antioxidative Potenzial von Nahrungsmitteln in ORAC-Einheiten angegeben, hat der Verbraucher eine vergleichende Messgröße für gesunde Ernährung.

Experten empfehlen zwischen 5.000 und 8.000 Einheiten pro Tag. Schätzungen zufolge liegt der Wert in Mitteleuropa aber unter 1.500. „Je höher der ORAC-Wert, desto mehr freie Radikale können neutralisiert werden“, unterstreicht von Leliwa. Und: Es müssten nicht immer exotische Lebensmittel sein wie Chia-Samen oder Aronia-Beeren (23.000). Auch Holunder (15.000) und Heidelbeeren (9.700), Hagebuttenkonfitüre (13.300), Pflaumen (7.500), Salbei (32.000), Thymian und Majoran (27.000) sowie Nüsse – allen voran die Walnuss (13.000) – sowie Haselnusskerne (9.000) und sogar Kaffee (8.800), jeweils in Bio-Qualität, stehen auf der ORAC-Liste weit oben.

Dieser Artikel ist in Ausgabe 58 des pool Magazins erschienen.

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